(R)evolutionär: Potential des Yoga!

(R)evolutionär: Potential des Yoga!

Was mich am Yoga schon immer, von der der ersten Sekunde an, fasziniert, ist der universelle Ansatz der Yogalehre. Sie schließt keine wie auch immer geartete Gruppierung aus. So spielen z.B. religiöse oder ethnische Zugehörigkeiten im Yoga keine Rolle. Im Gegensatz zu fast allen anderen Ideologien und Weltanschaungen ist es somit integrativ, steht prinzipiell jedem offen.

In meiner Yogalehrer-Ausbildung haben wir jeweils früh morgens und spät abends einen sogenannten Satsang abgehalten, ein spirituelles Zeremoniell. Fester Bestandteil war die Rezitation eines philosophischen Textes, in dem zugleich Jesus, Buddha, Laotse und Mohammed geehrt wurden. In nur einer einzigen, aber wunderbaren Zeile, die für mich für das enorme verbindende Potential des Yoga in unserer heutigen, modernen Welt steht.

Yoga integriert, statt abzugrenzen
Im Gegensatz dazu beruhen andere heute vielerorts gelebte Konzepte auf Abgrenzung: der Kapitalismus, in dem sich jeder über seinen Besitz vom anderen abzugrenzen versucht. Nationalismus oder auch Rassismus, in dem Menschen sich über die Zugehörigkeit zu einem Staat/einer Rasse definieren und somit von allen anderen abgrenzen. Oder auch die Religionen, die ja quasi im steten Konflikt der einzig wahren Lehre stehen und deren Verteter und Anhänger sich folglich voneinander abwenden und sogar bekämpfen.

Yoga ist da ganz anders: im Gegensatz zu Konzepten der Abgrenzung, die bei den Menschen zu geistiger Unruhe führen und in negative Emotionen wie Neid, Wut oder Gier münden, ist Yoga die Lehre vom sich selbst finden. Vom sich selbst Begreifen als Teil des Großen und Ganzen, sich als integralen Bestandteil von Natur und Mutter Erde zu verstehen. Fast jeder, der Yoga beginnt zu praktizieren, erfährt eine tiefere Wirkung von Asanas, Pranayama und Meditation, die rein gymnastische Alternativen körperlicher Betätigung in dieser Tiefe in aller Regel nicht vermitteln. Ein mal zarteres, mal tieferes Gefühl von Einheit, Frieden und Harmonie.

Zahl der Yoga-Übenden wächst rasant
Gepaart mit den inzwischen durch viele Studien bewiesenen positiven Effekten auf körperliche und geistige Gesundheit ist diese besondere Tiefe und Verbundenheit, die ich im Yoga erfahren kann, eine Kombination, die zahlreiche Menschen in ihren Bann zieht. Tag für Tag werden es mehr Yoga-Anhänger, rund um den Globus. Die ersten wirklich trennscharfen Ergebnisse zur Zahl der Yoga Übenden in Deutschland lieferte der Bund der Yogalehrer (BDY) erst im Herbst 2014. In seinem Auftrag ermittelte die Gesellschaft für Konsumforschung, dass 3,3% der Deutschen, also rund 2,6 Millionen Yoga üben. Immerhin 16% der Befragten können sich vorstellen, im kommenden Jahr mit Yoga zu beginnen. Wir selbst haben 2009 das Marktforschungsinstitut TNS Infrates mit einer Umfrage zu Yoga und Meditation in Deutschland beauftragt. Erstaunliches Ergebnis:  Mit 19,7 Prozent gab jeder fünfte Deutsche an, Yoga oder Meditation zu praktizieren. In Amerika stieg die Zahl der Yogatareibenden von 2008 bis 2012 um sagenhafte 29 Prozent auf 20,4 Millionen – ein scheinbar nicht aufzuhaltender Aufwärtstrend.

 

Dass dieser mehr als signifikant ist, zeigen erste recht widerspenstige Reaktionen aus den konservativen Lagern des Weltgeschehens: so gibt es immer wieder Fälle, in denen kirchliche Gemeinden mit Verweis auf die heidnische Dimension des Yoga es ablehnen, ihre Räumlichkeiten für Yoga-Gruppen zur Verfügung zu stellen. Die vermeintlich harmlosere Form des Widerstands. Starken Tobak hat erst kürzlich das renommierte Handelsblatt mit seinem Artikel „Dunkles Geschäft mit dem Yogaboom − der Seelenfänger‚ verbreitet: hierin greift ein das Thema Yoga betreffend offensichtlich weitgehend unwissender Wirtschaftsredakteur die im Kern äußerst friedliche, größte deutsche Yogavereinigung namens Yoga Vidya bzw. ihren Gründer und Leiter Sukadev Volker Bretz mit fadenscheinigen Argumenten scharf an und unterstellt ihr unlautere Absichten. Und obwohl der russische Herrscher paradoxerweise kürzlich selbst verkündete, sich vielleicht dem Yoga zuwenden zu wollen, haben Putins Behördem es im Kampf gegen religiöse Kulte mit der Yoga-Bewegung in Russland aufgenommen und bereits  Studios schließen lassen. Sind all dies Anzeichen von Furcht vor einer einfach nicht in konservative Werte und Denkweisen passenden und daher für einige zu stark wachsenden Yogabewegung?

Yogisches (R)evolutionspotenzial
All dies ändert nichts daran oder zeigt es vielleicht umso mehr:  Yoga ist am Boomen! Ich bin davon überzeugt, dies ist keine vorübergehende Modeerscheinung sondern eine nachhaltige Entwicklung! Denn Yoga löst beim modernen Menschen nicht nur die aus alltäglicher Fehlhaltung in z.B. Auto und Büro entstehenden körperlichen Probleme wie etwa Rückenschmerzen. Es beinhaltet in einer reizüberfluteten, wahnwitzig schnellen und sehr leistungsorientierten Welt auch fundierte Methoden, um zu entstressen und zu entschleunigen. Und damit mehr Ruhe in den eigenen Geist und mehr Kontrolle über die eigenen Emotionen zu bekommen. So ist mehr Achtsamkeit auch im Alltag möglich.

Dabei ist das Ziel des durchschnitllichen Yoga-Übenden sicherlich nicht direkt die Erleuchtung. Letztlich ist dieser Zustand aus weltlicher Sicht betrachtet auch nicht immer ganz praktikabel. So sagte B.K.S. Iyengar, einer der großen Yogis der jüngeren Zeit, in einem seiner letzten Interviews: „Wenn du erleuchtet bist, kannst du nicht den Bus nehmen“. Großartig! Doch wenn ich Erleuchtung als wachsende Achtsamkeit mir und meiner Welt gegenüber begreife; als die Erkenntnis, wie reich ich mit all dem bin, was ich genau jetzt schon habe; als einen Weg zu mehr Glück durch Toleranz und Integration, dann hat Yoga nicht nur meine Komfortzone, sondern auch den Horizont erweitert.

 

 

Genau darin liegt das enorme Potential des Yoga, die heutige Welt zu (r)evolutionieren. Es kann das Paradox, dass wir, die wir materiell scheinbar alles haben können, aber trotzdem fast nie glücklich und zufrieden sind, an den Klippen eines wachsenden Bewusstseins zerschellen lassen. Es kann uns über mehr Achtsamkeit und Bewusstsein bezüglich unseres Tuns zu mehr Liebe zu uns selbst und somit auch für unsere Mitwesen und den gesamten Planeten führen. Es kann uns zeigen, dass wir alleine es in der Hand haben, ob wir als Menscheit zu einem evolutorischen Bewusstseinsprung bereit und fähig sind. Zu einem eigenverantwortlicherem, friedvollerem und glücklicherem Selbstverständnis ;-)

Hier noch ein Link zu einem aktuellen und thematisch pasenden Artikel in der Huffington Post über die einende Kraft des Yoga Am ersten internationalen Weltyogatag am 21. Juni 2015 rollten auf allen fünf Kontinenten Millionen von Yoga-Begeisteren ihre Matten aus und praktizierten zusammen. Motto des Tages: Yoga für Harmonie und Frieden.

Namasté
Oliver

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